Werkschau – Design im Blick

14. Juli 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Jeder will irgendwas mit Medien machen. Am liebsten in Berlin, Hamburg oder wenn es sein muss auch in Frankfurt. Die besten Portfolios scheinen im Verborgenen zu entstehen, in Münchberg. Von der Stichhaltigkeit meiner Worte könnt ihr euch vom 16. bis 18. Juli – am Standort Münchberg der Hochschule Hof – überzeugen. Die Münchberger Designstudenten laden euch ein, zur ersten Werkschau mit dem hübschen Namen: Designblick (Twitter). Ich habe die Studentinnen Katharina Specht, 23, und Sandra Kubera, 22, kennenlernen dürfen und einen Einblick in die Ausstellung, das Münchberger Studentenleben und ihr Studium erhalten.

Was erwartet die Besucher bei der Werkschau?

Katharina: Der Designblick ist die allererste Werkschau der Münchberger Designstudenten und ist damit eine absolute Premiere. Noch nie zuvor gab es eine solche Ausstellung. Viele Münchberger reden immer noch von der alten Weberschule wenn man sie nach dem Weg fragt, und ein paar glauben auch weiterhin, dass wir den ganzen Tag nur Bilder malen und basteln. Die wirtschaftliche Relevanz von Design und seine strategische Absicht sind nicht jedem bekannt. Wir möchten also alle Neugierigen herzlich einladen sich ein Bild davon zu machen, was hier alles passiert und was für Projekte in den beiden Designstudiengängen entstanden sind. Wichtig ist uns auch, einen Grundstein zu legen, um die Abteilung Münchberg Stück für Stück zu einem wichtigen Designstandort zu entwickeln und regional und überregional bekannt zu machen.

Sandra: Obwohl Münchberg als Hochschulstandort schon so lange existiert, früher gehörte die Abteilung Münchberg zur FH Coburg, heute zur Hochschule Hof, gab es noch nie eine richtige Ausstellung. Die Diplom- und Bachelor-Ausstellungen der Textildesigner fanden immer nur im kleinen Kreise statt, zukünftig sollen alle Abschlussarbeiten aber auch in die Designblick einfließen.

Die Werkschau wird drei Tage lange geöffnet haben. Gibt es noch ein Rahmenprogramm oder eine Prämierung?

Katharina: Die Vernissage der Ausstellung wird am Freitag, 16. Juli, um 18 Uhr mit Begrüßungsreden eröffnet. Am Samstagabend wird es eine Party im Garten der Hochschule Hof/Campus Münchberg geben, bei der sich alle Besucher auf ein gemeinsames Gläschen zusammensetzen können. Außerdem wird es durchgehend Filmvorführungen geben mit Arbeiten unterschiedlichster Art und die Studenten werden während der Ausstellung jederzeit für Fragen bereitstehen.

Welche Art Arbeiten und Projekte werden gezeigt?

Katharina: Den Besucher erwarten Arbeiten aus allen Designbereichen, die während unserer Ausbildung entstehen. Das bedeutet von den Grundlagen aus den ersten Semestern, über erste angewandte Projekte bis hin zu fertigen Bachelorarbeiten und Firmenkollaborationen in den Bereichen Mediendesign sowie Textildesign. Beispielsweise Zeichnungen, Illustrationen, Fotografien, Corporate Designs, Interfacedesign, Webseiten, Printerzeugnisse, Filme, Textilien, Mode, Accesoires und vieles mehr. Abgesehen von den Exponaten selbst, werden auch interessante Raumkonzepte und Ausstellungsflächen geschaffen, die über die klassische Stellwand deutlich hinaus gehen werden.

Sandra: So wird beispielsweise die komplette Raumarchitektur unserer Hochschule in das Orientierungsdesign einbezogen, wodurch visuelle Effekte entstehen. Wie unser Designblick-Plakat schon erahnen lässt, basiert das Konzept unserer Ausstellung ja darauf, Geheimnisse zu entdecken!

Nach welchem Prinzip wurden die Exponate ausgewählt?

Katharina: Bei der Auswahl der Arbeiten geht es vor allem darum, die ganze Bandbreite der Studiengänge zu präsentieren und die Vielfältigkeit der Projekte vorzustellen.

Sandra: Das Interessante sind vor allem die unterschiedlichen Herangehensweisen und Interpretationen bei ein und derselben Aufgabenstellung innerhalb des Semesters! Das ließ uns natürlich ein breites Spektrum an verschiedenen Stilen auswählen und so wird sich jeder Besucher mit einer Arbeit identifizieren können und auch inspirieren lassen.

Sind auch Arbeiten von euch dabei?

Sandra: Ja, eine Projektarbeit, an der wir beide beteiligt waren, ist das evento (ital. Ereignis). Hierbei handelt es sich um ein neues, fiktives Theater in Leipzig, für welches wir ein zeitgemäßes und cleveres Corporate Design entwickelt haben. Unser Ziel bei der Gestaltung war es, nicht nur Theater-Fans, sondern auch die jüngere Generation sowie Theater-Muffel anzulocken. Außerdem sollte unser Konzept helfen, die Besucher an das Theater zu binden. Wie wir das geschafft haben, könnt ihr auf der Designblick sehen (lacht). Ein weiteres Projekt ist stickman’s job – das ist ein vielseitiger Baukasten, bestehend aus unterschiedlichen Körperteilen und Accessoires einer Figur, welcher das Erstellen von eigenen Charakteren ermöglicht. So kann man beispielsweise Avatare erschaffen, ihn auf Werbeflächen einsetzen oder als Orientierungssystem nutzen!

Eine weitere Arbeit von mir befasst sich mit der Flucht in den Eskapismus aus den heutigen Informationsfluten. Was liegt hier näher, als das Illustrieren der bekanntesten Märchenfiguren? Wären sie heute emanzipierter? Ich lasse die Besucher hinter die Kulissen blicken und zeige Entwürfe, Skizzen sowie Anwendungsbeispiele.

Natürlich gibt es auch eine Menge Fotoarbeiten, beispielsweise inszenierte ich mich selbst im surrealen Umfeld oder habe Katharina für unsere ersten Portraitaufnahmen als Puppe arrangiert! Des Weiteren wird man auf der Designblick Animations- und Kurzfilme sehen. Mein Animationsfilm ist ein Knet-Stop-Motion, und der Kurzfilm über Unsterblichkeit bezieht sich auf die Liebe.

Nicht zu unterschätzen sind unsere handwerklichen Arbeiten, die das Verständnis für Farbe und Gefühl für Perspektive schulen. Wer auch sein Handwerk gut beherrscht, wird den Kunden später überraschen.

Katharina: Ja, bei mir ist beispielsweise mein einerseits liebstes aber auch persönlichstes Projekt dabei. Dabei handelt es sich um eine selbsterschaffene Comicfigur namens Violetta, die sich in einem Comicheft durch ihren Alltag schlängelt. Außerdem wird ein sehr umfangreiches und multimediales Gruppenprojekt präsentiert an dem wir beide fleißig mitgewirkt haben. pokpok ist ein revolutionäres Eventkonzept für Single-Portale, welches moderne Technik und eine Internetplattform mit traditionellem Kennenlernen verbindet. Der Wunschpartner wird hierbei nicht durch ein anonymes Internetprofil ausgewählt, sondern muss seinen Traumpartner ganz altmodisch direkt ansprechen. Als Anstoß oder Hilfe dient dabei das pokpok-Herz, welches mit einem RFID-Chip ausgestattet ist. Der vorher ausgefüllte Fragebogen wird ausgewertet und wenn ein passender Kandidat in der Nähe ist, fängt das pokpok-Herz an zu pochen. Halten die beiden Partybesucher dann ihre pokpok-Herzen aneinander, werden sie automatisch auf dem Internetportal als Kontakte hinzugefügt und werden zum Beispiel darüber informiert, welche kommenden pokpok-Events der neue Freund besuchen wird.

Wir machen uns also hier die moderne Technik zum Hilfsmittel, verhindern aber dennoch, dass man sich hinter einem selbst erstellten Profil verstecken kann und geben nur den nötigen Anstoß um jemanden anzusprechen.

Ihr studiert beide, noch zumindest, Mediendesign. Wie sieht der Studentenalltag in Münchberg aus?

Katharina: Die Atmosphäre in Münchberg ist wirklich einzigartig. Nicht nur die Studenten untereinander stehen sich sehr nahe, auch das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten ist sehr persönlich. Man ist nicht nur eine anonyme Nummer und ein Student von vielen, sondern wird sehr individuell gefördert und gefordert. Dies steigert die Qualität der Ausbildung und ist für diese auch notwendig. Dennoch muss man erwähnen, das ein Designstudium ein sehr anstrengendes und zeitintensives Studium ist. Die Freizeit kommt schon gelegentlich zu kurz und wir können die vielen eingelegten Nachtschichten schon seit dem dritten Semester nicht mehr zählen. Man muss auf jeden Fall mit Leidenschaft und Motivation dabei sein!

Die Studentenpartys sind vielleicht etwas kleiner als die gut besuchte Boom-Party in Hof, aber an Stimmung und guter Laune hat es noch nie gefehlt.

Wollt ihr noch einen Master dranhängen?

Sandra: Ich bin froh, mich nach dem Studium in der freien Wirtschaft unter Beweis stellen zu dürfen. Nach dem bevorstehenden Praxissemester in Hamburg und der Bachelorarbeit möchte ich den Agentur-Alltag bestimmt nicht mehr missen. Daher muss ich gestehen, dass ein Master vorerst nicht in Planung ist.

Katharina: Ich werde nach den sechs Semestern in Münchberg nun für mein Praxissemester nach Hamburg ziehen und möchte nach der Bachelorarbeit dann erst einmal ins Berufsleben eintauchen. Der Master soll dann eventuell erst später folgen.

Hört man auch nicht oft, dass der Master nicht ansteht. Ihr seht eurem Berufseinstieg recht positiv entgegen, in welche Branche soll es gehen?

Sandra: Wir und unsere Kommilitonen stehen mit beiden Beinen auf dem Boden und so hätten wir nie damit gerechnet, dass Deutschlands beste Werbeagenturen ein solches Interesse an unseren Portfolios zeigen könnten. Daher blicke ich der Zukunft freudig entgegen, da ich weiß, gut ausgebildet worden zu sein! Für mich ist das Praxissemester in einer Werbeagentur auch ein Selbsttest. Vorerst möchte ich mich in der Werbebranche zurecht finden, kann mir aber auch gut vorstellen später im Corporate-Bereich zu arbeiten und Unternehmen zu beraten. Auch ein Blick hinter die großen Magazine würde mich reizen.

Katharina: Zuerst hatte ich ein wenig Sorgen, da bisher kaum Erfahrungswerte da sind. Wir sind immerhin erst der zweite Jahrgang Mediendesign in Münchberg und es gibt so viele Designhochschulen in Deutschland, beziehungsweise Absolventen. Aber bei der Stellensuche fürs Praxissemester hat sich herausgestellt, dass diese Sorgen völlig unbegründet waren. Obwohl viele Art-Directoren noch nie etwas von Münchberg gehört haben, waren sie von der Qualität der Portfolios sehr angetan. Viele von uns möchten nach dem Studium in der Werbebranche arbeiten und absolvieren nun nächstes Semester ihr Praktikum in großen Agenturen in Hamburg, Berlin und Frankfurt. Aber auch andere Branchen sind durchaus interessant. Ich kann mir zum Beispiel auch sehr gut vorstellen, irgendwann als Illustratorin zu arbeiten.

Erschien heute auch im Online-Angebot der Frankenpost beziehungsweise wird am Samstag in der Print-Ausgabe erscheinen.

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