Berufsqualifizierend – klar.

15. Mai 2010 § 9 Kommentare

Heute kam mein Bachelor Zeugnis und die Einladung zur Abschlussfeier (erstmalig sogar im Talar) mit der Post. Im Juli werden wir also unsere Hüte in die Luft werfen. Hoffentlich ist ein pfiffiger Fotograf vor Ort, der die Szene auch so einfangen kann, dass ich sie mal meinen Enkelkinder zeigen kann. Theoretisch soll der Bachelor ja berufsqualifizierend sein. Wenn ich mich in meinem Masterstudiengang so umsehe, sitzen da unter anderem Architekten, Bauingenieure und Betriebswirte (wie icke). Von den Dipl. Architekten will ich gar nicht sprechen, die jetzt noch den Master draufsatteln müssen, weil sie schlicht und einfach:

keinen Job bekommen. Ja – ist kein Scherz.

Gut zurück zu den Bachelor beziehungsweise Baccalaureus (grässlich) Absolventen – B.A. und B.Sc. – die Architekten werden nach sechs Semestern Studium nicht von der Architektenkammer als Architekt zugelassen. Bleibt nicht mal der Weg in die Selbständigkeit und die Beschäftigung von Projekt zu Projekt. Bei Twitter würde ich nun schreiben: #fail.

Die Bau-Ings. haben sich zwar in die ein oder andere Richtung vertiefen können, haben aber von Betriebswirtschaft keine Ahnung und noch nicht genügend Spezialwissen aufbauen können. Also auf in den Master. Am besten gleich was mit BWL, der Bauleiter oder kaufmännische Führungspositionen anstrebende Ing. kommt nun mal nicht an den Wirtschaftswissenschaften vorbei. Auch wenn es dem teils etwas Ikarus (Hochmut, Fall und so) anmutenden Studenten nicht schmecken mag.

Und die BWLer? Tzzjaa. Die Absolventen aus meinem ehemaligen Studiengang machen zum Großteil den Master. Die wenigstens gehen tatsächlich arbeiten, die Dual-Studenten natürlich schon. Wenn ich an meinen Schwerpunkt denke (Steuern und Bilanzierung) muss ich sagen, dass einige schon vor Abschluss des Studiums einen Job hatten und diesen nun auch ausüben. Etwa im Rechnungswesen oder sonst wo. Der ein oder andere hat eine Assi der Geschäftsleitung Stelle, der andere geht weiter Richtung Steuern beziehungsweise Wirtschaftsprüfung und hat so oder so noch eine lange Reise vor sich. Sprich Steuerberater- und Wirtschaftsprüferexamen – nach §8 WPO verkürzt der Master zwar den Weg dahin, aber es geht auch nach wie vor auf dem herkömmlichen Weg.

Klar bekommt man mit dem Bachelor auch einen Job, aber in vielen Fällen sollte man lieber nicht nachfragen was für einen. Die Bezeichnung berufsqualifizierend verdient der Abschluss nicht. Als Junggeselle scheint man auch genau so zu verdienen, da man keine Familie ernähren muss, reicht etwas weniger Gehalt. Wenn Unternehmen für Bachelors extra neue Einstiegspositionen schaffen, die noch unter dem Diplom liegen, frage ich mich schon nach dem Sinn. Teilweise wird der Bachelor ja auch mit dem Vordiplom gleichgesetzt. „Wir suchen Praktikanten: Mit Vordiplom oder Bachelor Abschluss“ – ohne Worte.

In diesem Fall kann ich nur für meinen ehemaligen Studiengang sprechen, wir hatten eine Vorlesung weniger als die Diplomer. Eine einzige.

(So, das war aus aktuellem Anlass mal meine Sicht auf die Dinge, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit erhebt 😉 )

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§ 9 Antworten auf Berufsqualifizierend – klar.

  • Foto-Chaotin sagt:

    Ich kenne das Problem. Meine Freundin und ich haben einen Magister-Abschluss in Germanistik und Geschichte, sie hat mit einer 1 vor dem Komma abgeschlossen, ich mit einer 2. Nur wir rutschen durch’s System: alle adäquaten Stellen bekommen nur Doktoranden oder Doktoren und für alles andere werden wir immer als „überqualifiziert“ abgelehnt. Das ist echt entmutigend. Manchmal glaube ich, ich hätte mit 14 mein erstes Kind bekommen sollen, dann bekäme ich heute Unterstützung von allen Seiten. Aber Absolventen eines Studiums werden m.E. vollkommen alleingelassen. Fair ist das nicht wirklich.

  • Foto-Chaotin sagt:

    Hatte mein Fazit vergessen. 😉 (sorry also für den doppelten Kommentar)

    Ergo: Ich kann mich mit meinem Magister-Abschluss (das ist im Prinzip der Master) in meinem Fach über ein Praktikum bei dem 200 Euro im Monat rumkommen freuen. Der Bachelor ist meiner Meinung nach nichts anderes als das Zwischenzeugnis nach dem Grundstudium. Dass jemand danach berufsqualifiziert ist, ist vollkommener Quatsch, ich frage mich, wer sich das ausgedacht hat.

    • derholg sagt:

      (Kein Problem!) Auch unschön! Wobei ich den Magister schon über dem Master ansiedeln würde.

      Deinem Blog zu Folge hattest du ein Vorstellungsgespräch bei einer Redaktion und hattest deinem Post nach auch Erfolg?! Glückwunsch! 🙂 Willst quasi als Journalist arbeiten? In der Nische Geschichte?

  • Foto-Chaotin sagt:

    Magister über dem Master? Nein. Kurz nachdem ich angefangen hab zu studieren ist der Magister-Abschluss 1zu1 gegen den Master-Abschluss in meinem Fach ausgetauscht worden. Klar, es gibt Unterschiede: ich hatte mehr Freiheiten, dafür die blöden Abschlussprüfungen aus denen sich meine Endnote zusammensetzt. Die BA/MA-Studengänge haben weniger Freiheiten, dafür zählen aber mehr Leistungen mit in die Prüfung. Aber ansonsten sehe ich die Abschlüsse gleichwertig.

    Ich hatte noch gar nichts in meinem Blog geschrieben darüber wie das Gespräch gelaufen ist! 😉 Es war ganz gut.. Es ging allerdings um eine Praktikantenstelle für 200 Euro im Monat, also das was ich oben angedeutet habe. Sie schienen sehr interessiert an mir, sagten aber auch, dass sie nicht sofort etwas freihaben. Ich hätte die Stelle sehr gerne weil ich dadurch Erfahrung sammeln könnte.
    Ich würde mein Berufsziel (eines davon) allerdings eher als „Redakteurin“ bezeichnen, nicht als Journalistin! 😉 Und ich lege mich auch nicht auf historische Themen fest, ich hab ja auch Germanistik studiert. Wenn ich das machen würde, dann würd ich wahrscheinlich in den nächsten 10 Jahren keinen Job bekommen.
    Das Vorstellungsgespräch gestern war bei einem Wirtschaftsverlag. Ich denke, das ist gar keine so schlechte Aussicht, Germanisten mit Kenntnissen in anderen Bereichen als der Geisteswissenschaft werden schon eher gesucht.

    LG Melanie

  • Chrissy sagt:

    Bei dieser ganzen Bachlor, Master, Magister Sache, kann ich mich ja richtig freuen eine Ausbildung gemacht zu haben. Da hat mans nach drei Jahren hinter sich, kriegt nen Wisch und fertig.

    Und das gute an meinen Beruf: Den kann man (eigentlich) nicht studieren.

  • derholg sagt:

    aber auch als Köchin wirst du dich hin und wieder weiterbilden müssen, oder? 🙂

  • Chrissy sagt:

    Kommt drauf an!

    Klaro, Meister kann ich machen – wer bezahlt ihn? Ich kann Diätköchin noch anfügen, ich könnte sogar, wenn ich mein Abi nachhol Ernährungswissenschaften studieren. Alles kein Problem 😉
    Ins Büro würd ich durch einen Fachwirt/Betriebswirt auch sicherlich kommen…

    Aber solang meine Füße mich noch tragen tingel ich von Küche zu Küche und sammel Erfahrung (<- das ist immer noch ein sehr wichtiger Aspekt in meinen Beruf)

    Also kann man zum Beispiel sagen, dass öftere Wechseln des Betriebs (Bin zZ in meinen dritten) ist sozusagen "Weiterbildung", man lernt immer was Neues dortn 😀

    • derholg sagt:

      klingt als hättest du deinen Traumberuf gefunden 😉
      schickst du mal Bilder deiner Gerichte? noch besser: frisch Gekochtes per Over Night Express 😀

  • Chrissy sagt:

    Bis an mein Lebensende möchte ich ihn nicht machen 😉

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