Menschen hinter dem Sucher: Gunther Wegner

3. Mai 2010 § Ein Kommentar

Heute ist Gunther Wegner an der Reihe. Im normalen Leben ist er im Bereich IT-Projektmanagement und Consulting tätig, seine große Leidenschaft ist die Fotografie. Die Erhaltung der natürlichen Schönheit unserer Erde scheint er sich auf die Fahne geschrieben zu haben. Dadurch wurde ich zum ersten Mal auf ihn aufmerksam. Am Ende führten mich seine interessanten Tweets hin zu seiner Homepage und letztendlich zu seinem umfangreichen Flickr-Stream. Hier kommen seine Antworten:

Kannst du über spannende Projekte berichten?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich zwei Bücher beziehungsweise Bildbände verfasst. Brasilien – Highlights des Nordens und Mit dem Rucksack durch Venezuela. Die Hälfte des Erlöses dieser Bücher spende ich zum Erhalt des Amazonas Regenwaldes in Südamerika. Das hier dringender Bedarf besteht, haben wir auf unseren Reisen mit eigenen Augen erfahren müssen. Aus den fotografischen Eindrücken entstand der Kurzfilm Amazonas – Traurige Entwicklungen (Anmerkung: Film siehe unten) der schon in vielen Schulen im Unterricht verwendet wurde. Mein aktuelles Projekt ist die Reiseerzählung Costa Rica – Individuell, die ich gemeinsam mit vielen Fotografien dieses fanzinierenden Landes derzeit auf meiner Webseite im Wochenrhythmus veröffentliche.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Schon als kleiner Junge haben mich Kameras fasziniert. Ein entscheidendes Erlebnis hatte ich dann im Alter von 14 Jahren, als ich mit einer Jugendgruppe den Olymp, den höchsten Berg Griechenlands, bestieg und unserer Anführer eine Canon A1 dabei hatte. Auf dem Gipfel fiel ihm die Kamera aus der Hand und schlug mehrfach auf dem Felsen auf, bevor sie etliche hundert Meter tiefer auf einem Felsvorsprung landete. Nachdem wir sie geborgen hatten, stellten wir fest, dass außer dem Objektiv nichts kaputt war. Grandios. Diese Kamera musste ich haben. Es dauerte aus Budgetgründen dann leider doch noch etwas länger, denn ich konnte mir zunächst nur eine günstigere Spiegelreflex leisten. Damit begann ich, als ich 15 war, dann ernsthaft zu fotografieren. Ich nutzte zu Analogzeiten ausschließlich Dias und Schwarzweiß-Negativ-Filme. Als mir meine erste Kamera dann zwei Jahre später auf einer Reise gestohlen wurde, war es endlich soweit. Ich erstand eine gebrauchte A1.

Hast du Fotografie oder etwas ähnliches studiert?

Nein, ich habe Wirtschaftsinformatik studiert.

Verdienst du aktuell Geld mit deinen Bildern?

Außer dem Anteil der Buchverkäufe, den ich nicht spende, verdiene ich nur sporadisch Geld mit meinen Bildern.

Würdest du von der Fotografie leben wollen?

Ich empfinde tiefen Respekt für jeden, der mit Fotografie seinen Lebensunterhalt verdient. Denn ich weiß, wie hart man dafür arbeiten muss, seine eigenen „Werke“ und Dienstleistungen immer wieder in den Fokus und das Interesse der zahlungswilligen Kundschaft zu rücken. Ich bin froh, dass ich einen gut bezahlten, regulären Job habe, der mir – meistens – die Freiheiten lässt, meinen nebenberuflichen Aktivitäten ohne externe Zwänge nachzugehen.

Was möchtest du auf deinen Bilder verewigen?

Mein Hauptanliegen ist es, die Schönheit aber auch die Zerbrechlichkeit der Natur, in der wir leben, aufzuzeigen. Aber auch einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass die Menschen aufwachen und aufhören die Landschaften von denen sie träumen, die sie dann auf ihren Bildschirmhintergründen, Fototapeten und Postkarten abbilden, jeden Tag ein Stück mehr zu zerstören.

Welche Bereiche der Fotografie deckst du ab?

Meine Schwerpunkte sind die Reise-, Landschafts- und Tierfotografie. Ich experimentiere aber auch mit Makro und Wassersport-Fotografie . Letzteres insbesondere bei meiner zweiten großen Leidenschaft, dem Kitesurfen.

Was macht diese Bereiche für dich so interessant?

Wer unberührte Natur fotografiert, wird feststellen, dass die Natur per se ästhetisch ist. Im Großen gilt das für unberührte Landschaften, z.B. Urwälder und freilebende Tiere. Im kleinen aber auch für die Makroaufnahme des Gänseblümchens im heimischen Garten oder des Spinnennetzes voller Tautropfen.

Glaubensfrage: Analog oder digital?

10 Jahre Analog-Fotografie inklusive Exkurse in die Dunkelkammer und darauf folgende zehn Jahre Digital-Fotografie mit digitaler Bearbeitung lassen für mich nur einen Schluss zu. Ich blicke nicht traurig zurück, sondern weiß absolut die Vorzüge der Digital-Fotografie zu schätzen und freue mich jeden Tag darüber, dass es heute diese Möglichkeiten gibt.

Glaubensfrage 2: Post Processing. Wie extrem veränderst du deine Bilder?

Künstlerischer Beschnitt, Weißabgleich und Schärfen sind definitiv Schritte, die ich durchführe, bevor ich ein Bild verändere. Gerne bearbeite ich Bilder auch in Schwarzweiß. Weitergehende Bildmanipulationen sind bei mir eher selten, allenfalls das zusammenfügen zu Panoramas nutze ich noch recht gerne und häufig.

Welche Software nutzt du?

Ich habe meinen Workflow komplett in Lightroom abgebildet und schätze die Vorzüge dieser Software sehr.

Welche Kamera und Objektive nutzt du am häufigsten?

Derzeit fotografiere ich mit einer Nikon D300. Am häufigsten setze ich auf Reisen das universelle Nikkor 18-200 VR ein da ich damit unterwegs kaum Objektive wechseln muss. Für den Makro-Bereich nutze ich das super-scharfe Nikkor 60mm 1:2.8 und ich habe auch noch ein 50mm 1:1.4 und ein 70-200 1:2.8. Letzteres ist für Rucksackreisen allerdings schon etwas überdimensioniert. Immer dabei ist eine kleine Lumix – für die Gelegenheiten, bei denen die Spiegelreflex zu auffällig wäre.

Vollende diesen Satz: Fotografie…

…muss nicht nur der möglichst detailgetreuen Abbildung der Wirklichkeit dienen, sondern sie ist wie die Malerei oder die Musik eine Kunstform, die dazu dienen kann, eigene Gedanken und Gefühle zu transportieren und damit etwas zu bewegen.

Hier findet ihr die bereits erschienenen Interviews mit Menschen hinter dem Sucher…

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