Menschen hinter dem Sucher: Maximilian Motel

29. März 2010 § 4 Kommentare

The Saga Continues: Heute darf ich euch Maximilian Motel vorstellen. Er geht noch zur Schule, verfügt aber bereits über ein beachtliche Auswahl an Equipment, dass er sich durch Foto-Jobs finanziert. Mit seinen 19 Jahren ist er noch relativ jung, was nicht automatisch heissen muss, dass die Bilder schlecht wären. Im Gegenteil, gerade junge Menschen scheinen den alten Hasen immer mehr die Show zu stehlen. Ein Blick in sein Blog gibt Aufschluss über sein vorhandenes Potential und ich bin gespannt, wie sich seine Bilder in den nächsten Jahren noch entwickeln werden. Los geht’s:

Kannst du über spannende Projekte berichten?

Ich habe in der letzten Zeit häufiger mit Blitz und Funkauslöser gearbeitet und versuche dies auch in der Zukunft verstärkt zu tun. Auch wenn ich normalerweise nur mit Available-Light fotografiere. Da ich aber gerade am Ende meiner schulischen Laufbahn stehe und in den nächsten Wochen mein Abitur machen werde komme ich – zumindest offiziell – nicht ganz so viel zum Fotografieren. Wenn ich dann aber endlich fertig bin, habe ich schon ein paar Projekte in der Pipeline. Derzeit plane ich eine A-100- Strangers-Reihe für die ich momentan an einem Konzept arbeite. Vermutlich werde ich auch hier etwas mit Blitz und Softbox machen, da haben mich Joey L.’s Bilder von den Ureinwohnern Äthiopiens sehr inspiriert. Wenn jemand mit einer Octabox durch den Dschungel läuft, um Aufnahmen zu machen, dann sollte es ja wohl auch nicht zu viel Aufwand sein, eine 40cm Softbox für die Street-Photographie mitzunehmen. Nach dem Abitur werde ich dann auch ein Tanzprojekt für die städtischen Bühnen in meiner Stadt dokumentieren. Dieses Projekt ist mir auch sehr wichtig, da ich so die Möglichkeit bekomme, ein Projekt über eine längere Zeit zu begleiten und Tänzer allgemein auch recht ergiebige Fotomodelle sind.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich habe vor ewigen Zeiten mit meinem Cousin in Bayern kleine Filme gedreht. Um auch selber Filme drehen zu können habe ich dann lange gespart bis ich mir auch eine eigene Kamera kaufen konnte. Mit der Zeit gefiel mir die optische Qualität aber immer weniger und ich gab diese Hobby dann nach ein paar Jahren ganz auf. Es macht einfach wenig Spaß viel Arbeit in einen Film zu stecken, aber die ganze Zeit zu wissen, dass man in Endeffekt keine Freunde am Ergebnis haben wird. Um Effekte in meine Filme einbauen zu können, fing ich an mich mit diversen 3D- Programmen zu beschäftigen. Aber auch hier war ich nie ganz zufrieden, was zum Teil an meinem sehr langsamen PC lag, durch den die Render-Zeiten jenseits von Gut und Böse lagen und zum Teil mit meinem Unwillen, mich durch tausende Tutorials zu schlagen. Außerdem war ich enttäuscht, dass man für eine einzelne Sekunde Film sehr viel Arbeit investieren musste. Mit der Zeit kam dann noch Photoshop dazu und löste dann schließlich das 3-dimensionale Arbeiten komplett ab. Ich hatte schon früher viel mit HTML gearbeitet und als ich dann entdeckte, dass ich im Verbund mit Photoshop endlich „richtige“ Websites machen konnte, beschäftigte ich mich in der Folgezeit sehr viel mit Webdesign.

Mit der Zeit fand interessierte ich mich auch für digitale Bildmanipulation. Da ich zu der Zeit noch keine Kamera hatte, war ich auf meine Freunde und Schwestern angewiesen. Mit der Zeit war ich es Leid bei einem Bild, das bei etwas weniger Licht aufgenommen worden war ,nur Bildrauschen und wenig Bild zur Bearbeitung zu haben. Zu der Zeit dachte ich über den Kauf einer digitalen SLR nach. Während ich vorher schon überlegt hatte eine Bridgekamera zu kaufen, war ich mir dann aber auch sicher, dass ich nur mit einer SLR ein zufriedenstellendes Ergebnis haben werden würde. Außerdem hatte ich während eines 3- monatigen Aufenthalts in Kalifornien schon mit analogen SLRs fotografiert – und auch die Filme entwicket, also wusste ich so in etwa was mich erwarten würde.

Als ich mir dann zu meinem 18. Geburtstag endlich meine erste Kamera – eine Canon EOS 450D – kaufen konnte, begann ich sehr schnell mehr als nur Material für Bildmanipulationen zu machen und hörte ziemlich bald sogar ganz damit auf. Grund dafür war ein Freund, der mir amerikanische Hochzeitsfotografen wie Jessica Claire zeigte. Dieser Stil hat mich zu der Zeit maßgeblich beeinflusst und tut es auch heute noch.

Hast du vor Fotografie oder etwas ähnliches zu studieren?

Ja, ich hoffe nach meinem Zivildienst Photographie und Design studieren zu können.

Verdienst du aktuell Geld mit deinen Bildern?

Ein Großteil meiner Arbeit ist privat, aber ich verdiene zum Teil Geld durch Promotionfotos für Musiker und Portraitaufnahmen, wie zum Beispiel mit Kinder-, Konzert- oder Hochzeitsfotos. In der letzten Zeit kamen immer mehr Anfragen, womit ich sehr zufrieden bin. Da Photographie-Equipment leider selten im unteren Preissegment angeordnet ist, machen es solche Finanzierungsquellen – für einen Schüler wie mich – etwas leichter.

Würdest du von der Fotografie leben wollen?

Es ist mein Traum von der Fotografie leben zu können. Derzeit weiß ich natürlich noch nicht, ob das möglich sein wird, aber ich versuche so gut es geht darauf hin zu arbeiten. Und momentan bin ich mit meiner Entwicklung eigentlich auch recht zufrieden.

Was möchtest du auf deinen Bilder verewigen?

Bei meinen Portraits versuche ich die Persönlichkeit einer Person einzufangen. Allerdings variiert diese Zielsetzung je nach Auftrag oder Shooting. Wenn ich ein Event festhalte, ist es mir wichtig, dass die Bilder nicht künstlich wirken. Ich versuche dabei so wenig wie möglich aufzufallen, was sich aber leider nicht immer vermeiden lässt. Aber ich versuche zumindest Bilder zu machen, bei denen der Betrachter nicht das Gefühl hat der Photographierende zu sein. Er soll also einen Einblick in das Bild erhalten, der Photograph aber eigentlich in keiner Form sichtbar oder erahnbar sein.

Wenn ich aber zum Beispiel Promotionbilder für einen Musiker anfertige gehe ich anders vor. Ich versuche eine Beziehung aufzubauen, so dass der der oder die Portraitierte sich wohl fühlt und keine Angst vor der Kamera hat. Ob ich dem Portraitierten dann Anweisungen gebe und wie genau die aussehen hängt dann noch einmal davon ab, ob ich ein genaues Konzept habe und wie strikt ich mich daran halten muss.

Als ich zum Beispiel für einen Kölner Musiker ein CD-Cover gestaltet habe, hatte ich mit ihm ein genaues Konzept im Kopf. Beim Shooting selber haben wir uns dann an das Konzept an sich gehalten, dieses jedoch mehr als eine Art roten Faden betrachtet, der in etwa sagt, in welche Richtung es gehen soll. Ich versuche aber bei jedem Shooting Bilder zu machen, die natürlich wirken. Dabei ist es für mich wichtig die Persönlichkeit der Personen auf dem Foto zu zeigen oder wenigstens anzudeuten.

Welche Bereiche der Fotografie deckst du ab?

Ich arbeite momentan hauptsächlich im Bereich der Portraitfotografie. In der Zukunft möchte ich aber auch mehr in Richtung Landschaftsfotografie machen. Und auch die Food-Photographie reizt mich sehr.

Was macht diesen Bereich für dich so interessant?

Ich habe lange nachdenken müssen, wieso gerade Portraitfotografie so interessant für mich ist. Vermutlich liegt es daran, dass der menschliche Körper, in meinen Augen besonders das Gesicht, ein ästhetisches Meisterwerk ist. Alles passt irgendwie zusammen und nichts wirkt unpassend. Dabei finde ich besonders ältere Gesichter mit Ausdruck interessant. Bei bei meinem A-100-Strangers-Projekt werde ich dann auch versuchen solche ausdrucksstarken Gesichter zu portraitieren.

Glaubensfrage: Analog oder digital?

Ich denke, dass man das so pauschal nicht sagen kann. Analoge Aufnahmen besitzen durch das Filmkorn einfach eine besondere Ästhetik. Besonders analoge S/W-Photographie ist mit der digitalen Photographie nicht zu vergleichen. Das gilt vor allem, wenn man den Film noch selber entwickelt und auch die Abzüge selber macht. Es ist einfach ein anderes Gefühl ob man jetzt seinen eigenen Abzug in der Hand hält oder ob man bei Lightroom durch seine Bibliothek scrollt. Digitale Prints sind teilweise einfach schon zu clean, was an sich natürlich nichts negatives ist, dennoch wirkt ein leicht körniges S/W-Foto doch etwas natürlicher.

Glaubensfrage 2: Post Processing. Wie extrem veränderst du deine Bilder?

Während ich zu Anfang viel mehr – und in meine Augen heute auch viel zu viel – bearbeitet habe, versuche ich jetzt weniger zu machen. Allerdings ist jedes meiner Bilder, das z.B. auf meinem Blog zu sehen ist, bearbeitet. Auf Grund meines wirklich sehr langsamen Laptops bin ich bei der Bearbeitung sehr eingeschränkt und arbeite heute so viel es geht nur mit Lightroom. Dabei verwende ich diverse eigene Presets, die mir dabei helfen, schnell einen gewünschten Stil zu erreichen, den ich dann noch feiner ausarbeite. Nur selten bearbeite ich die Bilder dann noch in Photoshop CS3. Ich versuche bei der Bearbeitung meistens aber nur auf das Bild aufzubauen, nicht umgekehrt.

Welche Kamera und Objektive nutzt du am häufigsten?

Da ich momentan nur eine Kamera habe, verwende ich auch nur meine 450D. Die mittlerweile knapp 80.000 Auslösungen auf dem Buckel hat. Ich spare aber derzeit auf eine Alternative, die Canon 5D Mark II. Als Objektiv verwende ich als Immerdauf mein Canon 50 1:1.4 USM. Ich mag die Brennweite und besonders auch die Lichtstärke, da ich so in der Lage bin praktisch überall zu fotografieren. Nur bei Konzerten kann es da schon mal eng werden. Wenn mir diese Brennweite mal nicht lang genug ist, und wenn das Licht es zulässt, setze ich auch sehr gerne mein Tele-Objektiv 70-200 1:4 L USM ein. Leider ist es, gerade im Konzert-Bereich, teils so dunkel, dass die Belichtungszeit bei Offenblende und ISO 1600 häufig im Bereich von 1/30 sek. Liegt. Aber dafür ist die Abbildungsleistung der Hammer. Falls ich auch mal Weitwinkel brauche benutze ich mein Canon 18-55 Kit Objektiv.

Vollende diesen Satz: Fotografie…

…ist eine Möglichkeit anderen die eigene Sichtweise darzulegen. Außerdem achtet man durch die Fotografie auf so viel mehr kleine Details, die man vorher nie beachtet hätte. Sie bietet somit die Möglichkeit die Umwelt ganz anders wahrzunehmen.

Hier findet ihr mehr Menschen hinter dem Sucher.

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§ 4 Antworten auf Menschen hinter dem Sucher: Maximilian Motel

  • Simon sagt:

    sehr interessanter beitrag. Nur den Satz „Photographie-Equipment ist leider selten im unteren Preissegment angeordnet, das macht es für einen Schüler wie mich etwas leichter.“ verstehe ich nicht. Sollte es nicht heißen: Photographie-Equipment ist leider selten im unteren Preissegment angeordnet, das macht es für einen Schüler wie mich nicht gerade leichter??

  • Clara sagt:

    Ich denke, dieser Satz war so gemeint, dass er als Schüler durch seine Aufträge mehr Geld zur Verfügung hat, um sich neues Equipment zu kaufen, als ohne diese Aufträge und dass es deswegen für ihn leichter ist. Vielleicht ein Missverständnis durch ungünstigen Satzbau?!

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