Menschen hinter dem Sucher: Ulrich Mannchen

15. März 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute stelle ich euch Ulrich Mannchen vor, der zufällig auch in Hof studiert hat. Er ist Teil einer internationalen Gruppe kreativer Menschen namens Pick a Pocket, mit dem erklärten Ziel, Menschen aus extremer Armut zu helfen. Neben Musikern, Malern, Tänzern (und und und) leistet er mit seiner Hasselblad, einen fotografischen Beitrag zu den vielen Projekten des Teams. Ich habe ihn auf einer Party wiedergetroffen und kürzlich ein paar Fragen geschickt. Mehr zu seinem Engagement jetzt:

Kannst du über spannende Projekte berichten?

Ich arbeite vollzeitlich für einen allgemein nützlichen Verein namens YWAM, der sich für Projekte in Afrika, Asien und dem mittleren Osten einsetzt. Dadurch habe ich Zugriff auf ein Netzwerk bestehend aus NGOs, Sozialarbeitern und Missionaren, die in den unterschiedlichen Ländern tätig sind. Pick a Pocket (Twitter) zielt immer auf Orte und Situationen ab, die mit extremer Armut zu tun haben. Entweder unterstützen wir bestehende Projekte oder manchmal passiert es, dass wir unsere eigenen starten. Wir gehen also in Armutsgebeite, verbringen dort Zeit mit den Menschen und helfen vor Ort so weit es uns möglich ist. Wir arbeiten jedoch immer mit Leuten zusammen, die dort langzeitig an Verbesserungen arbeiten. Während dieser Zeit fotografieren wir, schreiben Songs und halten so die Geschichten derer fest, die uns begegnet sind. Danach bringen wir diese Inspirationen in eine Form, die es vielen Leuten ermöglichen soll, ihr Weltbild zu erweitern. Beispielsweise eine Tour, eine Ausstellung oder eine Publikation. Letztendlich wollen wir, dass eine Bewegung und Unterstützung durch Mitgefühl entsteht.

Ein Beispiel. Letztes Jahr waren wir in Äthiopien, als wir hörten, dass Menschen auf der städtischen Müllhalde leben. Als wir versuchten nähere Informationen darüber zu finden, wurde uns gesagt, dass wir dort besser nicht hingehen, da diese Leute Riesen sind mit Tatoos über ihren ganzen Körper. Sie trinken Gift und essen Vergammeltes, aber sterben nicht. Das hörte sich sehr interessant an, so dass wir der Sache mal nachgegangen sind. Es hat sich herausgestellt, dass tatächlich Menschen in und von dieser Müllhalde leben. Jungs und Mädels im Alter von 12 bis 22, die keine Eltern mehr haben und auch keinen Platz zum schlafen, so dass ihre letzte Möglichkeit die Gemeinschaft in der Müllhalde ist. Das Bett besteht aus der Ladung zerfetzter Flip-Flops vom Tag zuvor, das Essen sind die weggeschmissenen Küchenreste des Hilton Hotels und damit es warm ist in der Nacht, wird ein Feuer mit so ziemlich allem was brennt entfacht.

Achtung: grüne Flamme!

Schnell stellte sich heraus, dass diese Jungs von der Gesellschaft nicht mal mehr als Menschen anerkannt wurden und die Mädchen dort arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen. Genauso schnell war es jedoch jedem von uns klar, dass die Dämpfe, der Schmutz und die Lebenssituation unmenschlich und inakzeptabel waren. Wir haben nicht wirklich gewusst, was die Lösung ist, aber wir wussten so viel, dass wir ermutigt waren, um nach Lösungen zu graben. Heute arbeiten die Mädchen in einem T-Shirt Haus, dass ihnen ermöglicht, weiterhin zur Schule zu gehen und fern vom Müllplatz zu arbeiten, damit sie ihre Familien unterstützen können. Mit den Jungs arbeiten wir daran, eine Hühnerfarm zu bauen, so dass auch sie einen Neustart wagen können, fern der Deponie.

Zu diesem Projekt läuft gerade ein Fundraiser, um ein Buch drucken zu können.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich hab während meiner mehr oder weniger erfolgreichen Schulkarriere die Möglichkeit wahrgenommen, Teil des legendären Hans-Jürgen-Seuss-Fotokurses gewesen zu sein. Das war das erste mal, dass ich erfahren konnte, für was all die Nummern, Zahlen und Zeichen auf der Kamera gut sind und wie man zu seinen eigenen Fotoprints kommt. Danach hatte ich im Bereich Fotografie eine echte Dürre, die mit Beginn meines Studiums endete.

Hast du Fotografie oder etwas Ähnliches studiert?

Ich habe nicht direkt Fotografie studiert, jedoch Medieninformatik mit Fachrichtung Design. Der Studiengang war gerade neu eingeführt worden, was auf der einen Seite bedeutete, dass man Versuchskanninchen war, auf der anderen Seite hatte man eine gewisse Narrenfreiheit mit Projektarbeiten. Das ermöglichte mir oft den Griff zur Kamera und entwickelte mehr und mehr meine Leidenschaft dafür. Wenn ich jetzt zurück blicke kann ich sagen, dass Fotografie etwas ist, dass man lernt indem man es verübt. Ein Studium der Fotografie hilft einem mit oder außerhalb kreativer Muster zu denken, aber das Fotografieren lernt man dadurch nicht.

Verdienst du Geld mit deinen Bildern? Oder hast du das irgendwann vor?

Hin und wieder kommt es schon mal vor, dass ich ein Bild loswerde. Das geht dann jedoch für lau an Freunde oder Fans. Ich würde mich freuen zu sehen, dass Leute bereit sind Geld auf den Tresen zu legen, um meine Bilder zu haben. Vielleicht sollte ich mehr von diesen Interviews hier führen oder in Ausstellungen vertreten sein? Hmmm.

Was möchtest du auf deinen Bildern verewigen?

Ich denke all die atemberaubenden Geschichten, Comics, Kinofilme und Computerspiele verdanken einen Großteil ihres Reizes ihren Charakteren. Ich liebe Character Design. Wie sich jemand aufgrund seiner Talente, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen verhält. Wie man sich aufgrund seiner Umgebung anpasst, kleidet, kocht oder lebt. Ein jeder Mensch ist ein Charakter wie es keinen zweiten gibt und wenn man da etwas hinein gräbt, findet man Schätze die eine komplette Welt – die Welt dieser einen Person – aufdröseln. Ich möchte mit meinen Bildern diese Einzigartigkeit darstellen, die beim Anblick dazu einlädt, in eine Gedankenwelt einzutauchen und in einer gewissen Art und Weise ein Abenteuer zu beginnen.

Glaubensfrage: Analog oder Digital?

Das ist definitiv ein heiß beliebtes Thema unter Fotografen (lacht) und mit schmunzeln begebe ich mich doch immer wieder gerne in eine Unterhaltung darüber. Ich persönlich bin ein Padawan der alten Schule. Ich schieße eigentlich nur mit Film. Ich bin ein eher unruhiger Mensch, der immer am wuseln ist. Es gibt mir so viel mehr für mehrere Stunden in der Dunkelkammer zu verschwinden, als mit der Maus am Computer rum zu klicken. Ich mag den Geruch von Chemiekalien an meinen Händen, das Gefühl von Papier und die Malerei mit dem Licht, während des Entwicklungsvorgangs. Es mag das Handwerk der Fotografie und es ist immer wieder spannend, wenn das Bild plötzlich im Entwickler zum Leben erweckt. Ich denke digital hat seine Vorteile. Man lernt und verarbeitet es schneller, wobei kein gutes digitales Bild ohne Photoshop auskommt und da seine Zeit frisst. Aber wenn ich einen digitalen Print neben einen aus der Dunkelkammer halte, wird schnell sichtbar, dass der analoge Print eine Brillianz aufweißt, die dem ganzen so etwas wie eine Seele einhaucht.

Glaubensfrage 2: Post Processing. Wie extrem veränderst du deine Bilder?

Naja, ich verändere sie so weit wie es mir 10 bis 20 Sekunden, in denen das Licht auf das Papier fällt, zulassen. Analoge Fotografie läuft generell etwas überlegter ab, eben weil man nicht so viel im Nachhinein ändern kann. Es gibt jedoch Tricks und Kniffe, wie mein noch mehr aus seinen Negativen rausholt.

Welche Kamera und Objektive nutzt du am häufigsten?

Hassel(hoff)blad Baby!

Welche Bereiche der Fotografie deckst du ab?

Portrait.

Vollende diesen Satz: Fotografie…

keine Ahnung. Ich hab jetzt echt lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Satz vollenden kann. Aber ich denke, wenn nichts innerhalb der ersten zehn Minuten in meinen Kopf schießt, wird das hier nix. Aber während meiner Arbeit mit Pick a Pocket und meinen Abenteuern als Fotograf, kam mir immer wieder ein Gedanke in den Kopf, der mir viel Hoffnung und Ermutigung schenkte. Am Anfang von dem was ich jetzt mache, traf sich lediglich eine Gruppe von Freunden miteinander, die die gleiche Leidenschaft miteinander teilten. Durch die Unterhaltungen die wir hatten, kamen wir auch auf das Thema, was unsere Träume sind und was wir erreichen wollen, wenn wir alle Möglichkeiten offen hätten. Wir teilten unsere Träume und jetzt fast dei Jahre später blicken wir zurück und erkennen, dass alles wahr wurde. Vielleicht nicht immer so wie wir es uns anfangs vorgestellt hatten, aber immer in einer Art und Weise, dass wir sagen konnten:

Träume… können die Meilensteine unseres Lebens sein!

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