Menschen hinter dem Sucher: Gerd Dörfler

9. März 2010 § Ein Kommentar

Heute ist es also so weit. Das erste Interview mit einem Fotografen. Na hoffentlich kommen noch viele nach. Den Anfang macht Gerd Dörfler, derzeit Student der Hochschule Hof. Seit seiner Kindheit ist er von der Fotografie begeistert und wie bei vielen von uns, ging es erst nach der Pubertät richtig los mit dem Hobby. Mit ihm habe ich über seine Leidenschaft gesprochen und hey, ich denke es wurde wirklich lesenswert. Oder kennst du Urban Exploring?

Kannst du über spannende Projekte berichten?

Ich habe momentan ein paar Projekte, die aber teilweise auch nur als Ideen vorhanden sind und ich noch nicht weiß inwieweit ich das umsetzen werde. Ein Projekt, was ich aber seit längerem verfolge ist die so genannte Urban Exploring Sache. Mich faszinieren schon immer irgendwie stillgelegte Orte, verlassene Gebäude und verfallene Objekte. Wenn ich die Möglichkeit und Zeit habe, versuche ich seit Jahren solche Orte zu besuchen und fotografisch festzuhalten. Mein Traum ist es, darüber eventuell irgendwann mal in einem Buch zu berichten. Quasi ein Bildband mit Informationen zu den Orten und Hintergründen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Gute Frage. Ich glaube viel mehr die Fotografie ist zu mir gekommen. Oftmals liest man ja als Antwort auf solche Fragen, dass der- oder diejenige irgendwann eine alte Spiegelreflexkamera des Vaters entdeckt hat, oder ähnliche Geschichten. Aber bei mir war es eher so, dass ich seit meiner Kindheit irgendwie von Fotos oder besser gesagt von visueller Kunst fasziniert bin. Einen konkreten Auslöser kann ich daher gar nicht nennen. Ich denke, sowas hat man einfach irgendwie in sich. Ich weiß nur, dass ich als Kind schon begeistert geknipst habe, wenn ich die Möglichkeit hatte. Das ging auch relativ unspektakulär weiter bis ich ungefähr 20 war und die ersten Digi-Cams auf den Markt kamen. Dann wurde aus der analogen Knipse eine Digitale. Diese damals neue Technik hat mich echt wahnsinnig fasziniert, woraufhin ich mich immer weiter damit beschäftigte. Naja und irgendwann kam dann die erste digitale Spiegelreflexkamera. Spätestens seit dem Punkt war völlig klar, dass ich davon nicht mehr so schnell loskommen werde. Ich denke du kannst das momentan ja sehr gut nachvollziehen. (lacht) Jedenfalls würde ich erst ab diesem Zeitpunkt bei mir von ernsthafter Fotografie sprechen. Vorher war es ja wirklich nur Knipserei.

Hast du Fotografie oder etwas Ähnliches studiert?

Nee, überhaupt nichts in dieser Richtung. Ich studiere momentan Wirtschaftsrecht. Davor hab ich eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Also im Gegensatz zur Fotografie, eher relativ unkreative Sachen. Aber das ist auch gut so, glaube ich. Alles was ich bisher so gelernt habe, habe ich mir selbst beigebracht. Am meisten durch üben, üben, üben. Oder anlesen in Büchern, Blogs, Tutorials. Zwar hatte ich mal überlegt ein Studium in Richtung Fotografie beziehungsweise Design anzufangen, aber das war mir dann doch alles zu unsicher und ich hab lieber etwas „bodenständiges“ gemacht, wenn man das mal so nennen will.

Verdienst du aktuell Geld mit deinen Bildern?

Naja, es hält sich im Rahmen. Wie gesagt, ich mache die ganze Sache ja mehr oder weniger nur nebenbei. Aber für entsprechende Aufträge verdiene ich natürlich schon etwas.
Die Sachen, die ich privat mache verkaufe ich teilweise exklusiv über eine Bildagentur. Reich wird man damit natürlich nicht, aber es ist schon schön wenn zumindest immer mal was reinkommt, für etwas was man ja eigentlich nur zum Spaß macht.

Würdest du von der Fotografie leben wollen?

Sicherlich denkt man oft mal daran, dass es doch cool wäre beruflich als Fotograf tätig zu sein und den ganzen Tag lang sein Hobby auszuüben. Leute treffen, reisen, fotografieren. Allerdings glaube ich, dass die Leute oft unterschätzen wie stressig und arbeitsintensiv solch eine Tätigkeit ist. Die Realität sieht eben einfach anders aus. Nämlich auf jeden Fall nicht so spannend und ereignisreich wie man sich das oft ausmalt. Ich stehe auch gelegentlich mit Berufsfotografen in Kontakt und die bestätigen das zu 100 Prozent. Für die meisten ist es einfach eine Arbeit wie jede andere auch und hat nur wenig mit Spannung und Aufregung zu tun. Von daher bin ich auch froh wie es momentan so bei mir ist. Fotografie ist für mich zwar mittlerweile mehr als nur ein Hobby, aber mehr als eventuell irgendwann ein zweites Standbein soll es gar nicht werden. Ich lebe ganz gut mit der Fotografie und bin froh nicht davon leben zu müssen.

Was möchtest du auf deinen Bilder verewigen?

Emotionen. Ich weiß nicht ob das jetzt der richtige Ausdruck ist, aber das ging mir als erstes durch den Kopf. Alle Fotos, die ich mache, egal ob Landschaft, Portraits oder was auch immer, verbinde ich immer mit einer gewissen Aussage oder zumindest einer Stimmung. Zufrieden bin ich, wenn derjenige der das Bild betrachtet, sich Gedanken darüber macht. Es irgendwie interessant findet. Von daher wäre reine Dokumentation oder ähnliches überhaupt nichts für mich.

Welche Bereiche der Fotografie deckst du ab?

Ich unterscheide generell zwischen Aufträgen und sonstigen Aufnahmen. Auftragsmäßig decke ich so ziemlich alles ab, wie den Bereich People, Bandfotos oder Portraits. Ich mache aber auch Fotos für Präsentationen von Firmen oder Geschäften für Flyer, Websites und Broschüren. Ich bin da relativ flexibel. Kommt immer darauf an, was verlangt wird. Wenn jemand Interesse hat, kann er sich auch gerne bei mir melden (lacht).
Privat beschäftige ich mich mit Landschaftsfotografie beziehungsweise „Outdoor“ im Allgemeinen. Quasi so als Ausgleich. Wobei ich sagen muss, dass ich privat eigentlich so ziemlich alles fotografiere.

Was macht diese Bereiche für dich so interessant?

Also im Portraitbereich ist es einfach der Umgang mit Menschen. Ich finde das „Objekt Mensch“ einfach interessant und es macht mir Spaß andere Personen zu fotografieren. Liegt vielleicht auch daran, dass ich generell gern neue Leute kennenlerne oder mich mit ihnen auseinandersetze.
Im Bereich der Landschaftsfotografie ist es einfach der Reiz an guten und stimmungsvollen Fotos.

Glaubensfrage: Analog oder digital?

Auf jeden Fall digital. Hat aber weniger was mit einer Glaubensfrage zu tun. Schon allein aus Gründen der Kosten, der einfacheren Handhabung und der umfassenderen nachträglichen Bearbeitungsmöglichkeiten fotografiere ich zu 99 Prozent digital. Außerdem bin ich einfach jemand, der immer alles sofort haben muss (lacht). Von daher ist es ideal das geschossene Bild sofort sehen zu können. Und nachdem ja mittlerweile digitale Spiegelreflexkameras auch halbwegs bezahlbar sind, hat man die selben Möglichkeiten wie damals analog bei der Bildgestaltung oder bei den qualitativen Ansprüchen. Ich bin aber dennoch froh, noch die alten Zeiten miterlebt zu haben. Zwar habe ich nie selbst Fotos entwickelt und in der Dunkelkammer nachbearbeitet und habe da auch keine Ahnung. Aber ich weiß zumindest noch was ein Film ist und wie man ihn einlegt (lacht). Aber da sind wir wieder bei angesprochenen Thematik. Analog mag zwar irgendwie spannend und interessant sein, aber wenn man Fotos für ein Projekt oder einen Kunden macht, dann kommt es eben auch auf Schnelligkeit und einem gewissen technischen Standard an. Analoge Fotografenromantik bringt einem da halt einfach nichts. Ich muss aber zugeben, dass ich gelegentlich schon auch mal noch analog mit meiner alten Ricoh fotografiere. Das dann aber immer nur zu Spaßzwecken oder einfach für mich privat.

Glaubensfrage 2: Post Processing. Wie extrem veränderst du deine Bilder?

Gar nicht mal so sehr. Zwar ist so ziemlich jedes meiner Bilder irgendwie nachbearbeitet, aber ich schaue schon darauf, dass ich sie nicht wirklich verfremde. Im Vordergrund steht bei mir auf jeden Fall das Foto, das direkt aus der Kamera kommt. Ich versuche also, das Foto was ich am Ende haben will möglichst schon direkt bei der Aufnahme zu bekommen. Natürlich sind aber schon solche Veränderungen wie Kontrast, Helligkeit, Ausschnitt oder Tonwertkorrektur Standards bei mir. Aber das hält sich ja auch im Rahmen. Großartige Veränderungen beispielsweise durch Photoshop mache ich nicht. Ich mag auch so extrem bearbeite Bilder gar nicht, weil das für mich wenig mit Fotografie im eigentlichen Sinn zu tun hat. Gelegentlich arbeite ich auch mal mit Doppelbelichtungen. Da muss ich aber selbst oft aufpassen, dass es am Ende nicht zu künstlich aussieht. Bei schwierigen Lichtverhältnissen ist das aber, zumindest für mich, oft einfach die einzige Möglichkeit ein wirklich gutes Bild hinzubekommen. Wirklich grausam finde ich allerdings diese übertriebenen HDRs, die leider im Amateurbereich aktuell etwas überhand nehmen. Ich finde es schade, dass oft versucht wird ein belangloses Foto durch die ach so tolle HDR-Technik aufzupeppen.

Welche Software nutzt du?

Ich bin wahrscheinlich der einzige, der kein Photoshop benutzt. Aber das hat sich einfach dadurch ergeben, dass ich vor Jahren irgendwie an Corel Photo Paint gekommen bin. Seitdem benutze ich das fast ausschließlich zur Nachbearbeitung. Zusätzlich noch einen Raw Converter von Canon. Seit Neuestem beschäftige ich mich allerdings mit Lightroom und ich muss sagen, das Programm wird echt jeden Tag interessanter. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das künftig bei mir als einzige Software durchsetzen wird.

Welche Kamera und Objektive nutzt du am häufigsten?

Ich benutze momentan die Canon EOS 500D. Wirklich eine super Kameraund die genügt meinen Ansprüchen bisher auch auf jeden Fall. Vorher hatte ich ein paar Jahre die 350D, aber die war mir dann doch nach einer Zeit zu veraltet. Am häufigsten benutze ich das 50mm 1:8 von Canon. Das Objektiv ist für seine Preisklasse einfach unschlagbar. Außerdem ist es so ziemlich in jedem Bereich der Fotografie einsetzbar. Danach folgt wahrscheinlich mein Superweitwinkel, welches ich überwiegend für meine Landschaftsfotos einsetze.

Vollende diesen Satz: Fotografie…

…ist der Wahnsinn. Zumindest für mich. Ich hab mich schon für viele Sachen bisher begeistert, aber an den meisten hab ich irgendwann früher oder später das Interesse verloren. Fotografie begeistert mich hingegen aber seit meiner Kindheit und das Interesse steigt stetig. Mal sehen was noch daraus wird!

Was möchtest du noch ansprechen?

Erst mal möchte ich dir natürlich für deine Fragen danken!
Ich hoffe meine Antworten waren wenigstens halbwegs interessant und der ein oder andere Leser interessiert sich dafür. Wer noch irgendwas wissen möchte, darf mich gerne auch direkt fragen.

Am besten kontaktiert ihr Gerd über Flickr oder schaut auf seiner Homepage (inklusive Portfolio) vorbei. An dieser Stelle, herzlichen Dank Gerd!

Habt ihr noch Fragen? Anregungen für künftige Interviews?

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