Tipps zum Studienbeginn

6. Januar 2010 § 2 Kommentare

Die Qual der richtigen Wahl

„Nach dem Abitur beginnt der Ernst des Lebens“, mögen viele Eltern denken und sehnen die baldige Schliessung von Hotel Mama herbei. „Geniesst euer Studium, es ist die beste Zeit in eurem Leben“, empfehlen wohl die meisten Lehrer ihren Abiturienten und schwelgen in Erinnerungen. Was für damalige Studenten gegolten haben mag, ist für heutige Bachelor-Studenten aller Fachrichtungen nicht mehr gültig.

Wer sich im Studien-Dschungel zurecht gefunden hat, muss nicht unbedingt eine gute Wahl getroffen haben. Viele Studenten fühlen sich unwohl mit ihrer Fächerwahl, wechseln mehrfach die Studienrichtung oder brechen ihr Studium ganz ab. Vermutlich ergeht es der Studienanfängerin, die ich vor Kurzem auf dem Campus getroffen habe, ähnlich. Denn sie erklärte mir stolz, dass sie nun endlich keine mathematischen Formeln mehr lernen müsse. Denn sie hasst Mathematik, vor allem Stochastik konnte sie im Gymnasium gar nicht leiden. Als ich sie anschließend fragte was sie denn schönes „mathefreies“ studiere, sagte sie nur: „BWL!“. Wer nicht den gleichen Fehler machen möchte wie die Studienanfängerin, sollte sich vor Beginn des Studiums über verschiedene Punkte im Klaren sein. Betriebswirtschaftslehre ist berühmt berüchtigt für hohe Durchfallquoten bei Statistikprüfungen und wirklich alles andere als „mathefrei“. Auf der Suche nach dem passenden Studiengang können die folgenden Überlegungen hilfreich sein.

Bereits während der Schulzeit sollte man sich seiner Stärken und Schwächen bewusst werden, klingt einfach, ist aber das Schwierigste. Denn es macht nur Sinn wenn man sich  ehrlich und vor allem kritisch selbst begegnet. Ich spreche nicht von den typischen Stärken und Schwächen, die sich der unerfahrene Bewerber vor einem Vorstellungsgespräch aus den Fingern saugt. Nein, es spielt eine entscheidende Rolle sich vor dem Studium darüber im Klaren zu sein, in welchen Bereichen man stark ist oder eben nicht. Jemand der gute Zeichnungen erstellen kann, mag auf den ersten Blick vielleicht für ein Modedesign-Studium geeignet sein. Aber Mode will auch verkauft werden. Wer nicht mit der Zeit gehen und von seiner Ware überzeugen kann, wird langfristig weder erfolgreich noch glücklich mit diesem Studium werden.

Nachdem man sich seiner persönlichen Stärken und Schwächen bewusst geworden ist, gilt es herauszufinden für welche Themengebiete man sich besonders interessiert. Es lohnt sich definitiv über den Tellerrand der klassischen Studienfächer wie Jura, BWL, Lehramt, Biologie und Psychologie zu blicken. Der Bologna-Prozess (Umstellung der Diplom- und Magister-Studiengänge auf Bachelor und Master) hat eine Flut an neuen Studiengängen hervorgebracht, die es ermöglichen fast alle persönlichen Interessensfelder zum Studiengegenstand zu machen. Jemand der sich gerne mit Musik beschäftigt oder selbst musiziert, konnte an der Musikhochschule studieren, musste jedoch auf Sozialpädagogik verzichten. Heute bieten spezialisierte Bachelor-Studiengänge eher die Möglichkeit beides gemeinsam zu studieren, zum Beispiel in Form von Musik- und bewegungsorientierter Sozialpädagogik an der Hochschule Regensburg. Das vielerorts verteufelte System bietet zudem einen wirklich großen Vorteil. Wer sich nach einem Bachelor-Abschluss in Germanistik nun doch für Wirtschaft interessiert, kann einen nicht-konsekutiven Master (Master-Studiengänge, die inhaltlich nicht auf dem vorangegangenen Bachelor-Studiengang aufbauen) in Betriebswirtschaft absolvieren und so sein persönliches Profil schärfen. Der Vorteil gegenüber dem Diplom ist die verkürzte Regelstudienzeit. Statt sich fünf Jahre mit dem vermeintlich falschen Studiengang zu plagen, besteht nun die Chance den eigenen Fehler nach drei Jahren Bachelor zu korrigieren und Synergien aus den gesammelten Erfahrungen zu erzielen.

Hat man sich nun grob für einen Studiengang entschieden, sollte man die Angebote verschiedener Universitäten und (Fach-)Hochschulen vergleichen. Praxisorientierte Menschen fühlen sich an einer Hochschule wahrscheinlich besser aufgehoben als an einer Universität, da dort der theoretische Studienaspekt überwiegt. Aber Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Wichtig ist es, sich anhand der Modulhandbücher über die Inhalte des Studiums zu informieren, Studenten zu kontaktieren und sich vor Ort einen  ersten Eindruck zu verschaffen. Über die Qualität des Studiengangs können  außerdem Hochschulrankings einen Überblick geben und persönliche Gespräche mit Professoren eventuelle Zweifel aus dem Weg räumen.

Nach dem Studium denkt man an den eingangs erwähnten Spruch der Eltern, der Ernst des Lebens beginnt also doch irgendwann. Das Wunsch-Studium sollte dementsprechend auch auf die späteren Berufschancen geprüft werden. Eine Geisteswissenschaft zu studieren, mag vielleicht der größte Traum sein, aber unter Umständen muss man sich nach dem Studium den Arbeitsmarkt selbst schaffen. Zum Beispiel als selbständiger« Berater, der geisteswissenschaftliche Themen mit der Wirtschaftswelt verknüpft, um für Unternehmen einen Mehrwert zu schaffen. Eine klare Empfehlung kann an dieser Stelle nicht gegeben werden, aber wirklich erfolgreich ist man in der Regel nur in Bereichen die man mit Leidenschaft und Herzblut verfolgt.

Wirklich abzuraten ist davon einen Studiengang nur des Geldes wegen zu belegen, denn das genügt nicht als langfristige Motivation. Ein Betriebswirtschaftsstudium mag zwar ein höheres Einstiegsgehalt versprechen als eines der Sozialen Arbeit, aber unter dem Konkurrenzdruck und der Masse an Absolventen können nur die Besten hervorstechen.

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erschienen in: Frankenpost – Junge Seite

/ http://www.frankenpost.de/nachrichten/jugend/mittendrin/art2840,1160718

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