Die deutsche Hip-Hop Szene: Ein kleiner Überblick

5. Dezember 2009 § Ein Kommentar

Heute werden alle Hip Hop Heads über einen Kamm geschert. Früher waren die Elemente noch recht lose verbunden. So hörten viele Writer Rock-Musik und konnten Rap nicht ausstehen. Dem 1983 in den USA erschienenen Film „Wildstyle“ ist es wohl zu verdanken, dass die verschiedenen Elemente als eine Kultur angesehen werden. Denn erstmals zeigte der Film alle Bestanteile in einem gemeinsamen Kontext. Was aber kann man nun alles in der deutschen Hip-Hop-Szene entdecken?

Die fünf Säulen des Hip-Hops

Die Hip-Hop Kultur als solches besteht aus vier Elementen: DJs, MCs, Writer und BBoys geben in ihren Disziplinen alles für ein bisschen Anerkennung. Selbstverständlich übernimmt das weibliche Geschlecht auch eine aktive Rolle, wenn auch nur am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit. Mittlerweile spricht man sogar von fünf Säulen der Hip-Hop- Kultur, denn das Beatboxing konnte sich aus dem Schatten des Raps lösen und eigenständige Wettbewerbe auf die Beine stellen.

Das Handwerk des DJs, das DJing erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in Deutschland. Leider sind die meisten DJs in Großraumdiskotheken nicht fähig mit einem 1210er Plattenspieler umzugehen und spielen ihre Sets rein vom Laptop ab. Dadurch leidet das von der Szene so geliebte Medium Vinyl und das Image der fähigen DJs. Deren Fahne halten die Teilnehmer der weltweit stattfindenden DMC World DJ Championships hoch. Der deutsche „DJ Rafik“ überzeugte sogar Altmeister „Q-Bert“ und wurde von ihm in die Bay Area eingeladen um gemeinsam an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Bei diesen Wettbewerben dreht sich alles um Turntableism. Hier wird weit mehr geboten als reines Platten auflegen und Songs überblenden.

Das Handwerk des MCs, das Rapping, ist der Öffentlichkeit wohl am besten bekannt. Gleichwohl ist es der Grund für den schlechten Ruf des Hip-Hops in der Öffentlichkeit. Es gibt den Freestyle-Rap, also das Vortragen eines direkt ausgedachten Textes. Natürlich gibt es auch vorher geschriebene Texte, für Konzerte oder die Aufnahme im Studio.

Kunstvolles Graffiti ist kein Verbrechen

Der Writer beschäftigt sich mit Graffiti und fertigt dafür Skizzen an. Der erste Gedanke ist vielleicht: „Diese Vandalen!“ Aber man muss zwischen zwei Richtungen unterscheiden. Da sind die illegalen Writer, die Zügen einen neuen Anstrich geben. Und dort sind jene Writer, die legal sogar Geld mit ihrer Kunst verdienen. Zum Beispiel geschieht das bei Auftragsarbeiten für Gemeinden oder innerhalb einer Hall of Fame – das sind öffentliche Plätze, die für Graffiti zur Verfügung gestellt werden. Die wichtigsten Veranstaltungen sind jedes Jahr das Write4Gold und das Meeting of Styles. Auch diese Wettbewerbe finden auf nationaler und internationaler Ebene statt.

BBoys und BGirls haben ihr Herz an Breakdance verloren. Der Tanz ist eine Mischung aus dem brasilianischen Kampftanz Capoeira und dem chinesischen Kung-Fu. Hier sind viel Disziplin, Kraft, eine große Ausdauer und vor allem Taktgefühl gefragt. Getanzt wurde vor allem zu Breakbeats, die von DJs durch Beat Juggling händisch verlängert wurden. Heute tanzt man vor allem zu Pop oder Funk. Das Battle Of The Year ist der weltweit bedeutendste Wettbewerb. In Deutschland moderiert meist Freestyle-Rap-Legende Spax den Wettbewerb.

Beim Beatboxing entsteht die Musik rein durch den Mund. Versierte Beatboxer spielen die aktuellen Hits aus den Charts genauso wie Polizeisirenen oder eigene Songs. Beliebt ist die Vocal Percussion vor allem als Beat-Unterlage für einen Freestyle-Rap. Mit Beatbox Battle TV entstand ein weltweites Netzwerk, dass beim Beatbox Battle World Championship jährlich den besten Beatboxer der Welt ermittelt.

Hip Hop Heads wollen sich von der Masse unterscheiden

Hip-Hop ist in Deutschland keine reine Jugendkultur, auch wenn es oft so von den Medien dargestellt wird. Rap genießt hierzulande die größte mediale Aufmerksamkeit. Die anderen Bestandteile des Hip-Hops geraten leider in den Hintergrund. Sie florieren hauptsächlich im Untergrund. Hip-Hop-Konsumenten sind zugegebenermaßen vor allem Jugendliche und Teenager, aber der Altersdurchschnitt der Aktiven liegt sicher um die dreißig Jahre. Daher kann man auch nicht von einem gängigen Kleidungsstil sprechen, denn neben Baggy Pants und New Era Caps sind schlichte Klamotten in normalen Kleidergrößen ebenso erlaubt.

Der Kleidungsstil eines Hip Hop Heads wandelt sich wohl mit dem Alter. Zu Beginn möchte er sich von der Masse in den Klassenzimmern absetzen, aber im späteren Leben möchte er natürlich nicht aussehen wie ein 16jähriger Teenager in XXXL-T-Shirts. Dennoch gibt Hip-Hop allen eine Chance sich selbst zu verwirklichen und abzugrenzen von dem Gros der Gesellschaft. Schließlich geht es vor allem um Respekt für die eigene Sache.

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§ Eine Antwort auf Die deutsche Hip-Hop Szene: Ein kleiner Überblick

  • bergdietikon96 sagt:

    Ich bin zufälligerweise auf deinen Blog gestossen. Ein toller Eintrag, den du da über die Hip-Hop Szene geschrieben hast. In Sachen Graffiti bin ich gleicher Meinung. Es ist eine Kunst, nicht eine Abscheulchkeit. Man muss jedoch schon sagen, dass dieser Kunst sehr wenig Raum gegeben wird (Plätze wo man öffentlich Graffitis erstellen kann). Deswegen werden oft, wie du gesagt hast, die Züge angesprüht. Das finde ich schade. Man sollte diese Kunst mehr fördern… 🙂

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